„Für das Leben“?!

Ich stieß vorhin zufällig auf den Mädchenblog – und auf diesen so kurzen wie interessanten Artikel. Da wagen es doch tatsächlich irgendwelche Leute, sich zu ereifern ein „Europa ohne Abtreibung“ zu fordern!
Mir war schon immer bewusst dass Menschen dämlich sind, aber das setzt dem Ganzen doch die Krone auf! Und das Beste: Die Deutsche Bahn fördert dieses frauenfeindliche Verhalten auch noch durch verbilligte Preise! Eine Unerhörtheit!

Abtreibung ist in Deutschland möglich. Das ist weder selbstverständlich noch war das immer so, die Möglichkeit straffrei abtreiben zu können ist hart erkämpft worden.
Im Strafgesetzbuch heißt es dazu:

§ 218 Schwangerschaftsabbruch

(1) Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

1. gegen den Willen der Schwangeren handelt oder

2. leichtfertig die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung der Schwangeren verursacht.

(3) Begeht die Schwangere die Tat, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

(4) Der Versuch ist strafbar. Die Schwangere wird nicht wegen Versuchs bestraft.
(Quelle: Buzer.de)

Sowie

§ 218a Straflosigkeit des Schwangerschaftsabbruchs

8 Gesetze verweisen aus 15 Artikeln auf § 218a

(1) Der Tatbestand des § 218 ist nicht verwirklicht, wenn

1. die Schwangere den Schwangerschaftsabbruch verlangt und dem Arzt durch eine Bescheinigung nach § 219 Abs. 2 Satz 2 nachgewiesen hat, daß sie sich mindestens drei Tage vor dem Eingriff hat beraten lassen,

2. der Schwangerschaftsabbruch von einem Arzt vorgenommen wird und

3. seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.

(2) Der mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommene Schwangerschaftsabbruch ist nicht rechtswidrig, wenn der Abbruch der Schwangerschaft unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Schwangeren nach ärztlicher Erkenntnis angezeigt ist, um eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und die Gefahr nicht auf eine andere für sie zumutbare Weise abgewendet werden kann.

(3) Die Voraussetzungen des Absatzes 2 gelten bei einem Schwangerschaftsabbruch, der mit Einwilligung der Schwangeren von einem Arzt vorgenommen wird, auch als erfüllt, wenn ärztlicher Erkenntnis an der Schwangeren eine rechtswidrige Tat nach den §§ 176 bis 179 des Strafgesetzbuches begangen worden ist, dringende Gründe für die Annahme sprechen, daß die Schwangerschaft auf der Tat beruht, und seit der Empfängnis nicht mehr als zwölf Wochen vergangen sind.

(4) Die Schwangere ist nicht nach § 218 strafbar, wenn der Schwangerschaftsabbruch nach Beratung (§ 219) von einem Arzt vorgenommen worden ist und seit der Empfängnis nicht mehr als zweiundzwanzig Wochen verstrichen sind. Das Gericht kann von Strafe nach § 218 absehen, wenn die Schwangere sich zur Zeit des Eingriffs in besonderer Bedrängnis befunden hat.
(Quelle: Buzer.de)

Die rechtlichen Regelungen sind klar, und meiner Auffassung nach auch richtig. Was jedoch daran richtig sein soll, Abtreibung weiter zu verteufeln, anstatt darüber aufzuklären, das verstehe ich nicht.
Auf der Webseite der Marschbewegung konnte ich dazu keinerlei Begründungen oder Argumente finden, aber dafür dieses schöne Zitat:

Abtreibung löst keine Probleme, sondern schafft neue.
(Quelle: Hier)

Was für Probleme durch Abtreibung entstehen sollen steht da jedoch nicht. Ich habe also ein wenig recherchiert, was die Freunde des Lebens so dazu zu sagen haben, und auf facebook die Seite der Deutschen Bahn unter die Lupe genommen. Dort finden sich Beiträge und „Diskussionen“ (wenn man unsachliches hin und her beleidigen denn so nennen will) beider Seiten. Das Ergebnis meiner Suche war jedoch ernüchternd.
Das einzige Argument dass sich immer wieder findet, ist das Recht auf Leben. Danach hört es auf, auch die Logik hört danach auf. Nach dem Recht auf Leben kommen dann noch so Beiträge wie dieser, von Frau Corinna Bär:

Die Entscheidung ob man sich reproduzieren will kann man aber schon weit im Voraus treffen. Und dann wäre die Diskussion unnötig. Vielleicht lernt dann auch mal die ein oder andere Frau mit dem Thema Sexualität bewusster umzugehen anstatt immer darauf zu hoffen, dass man es ja wegmachen lassen kann, wenn es gerade nicht passt.

Oder dieser hier, von René Heilemann:

Art. 2 Absatz 2 Grundgesetz! Das Recht auf Leben!!! Genau dieses Recht wird eingeschränkt! Mit selbständig lebensfähig usw…das haben wir ja geklärt,oder? Ob ein Embryo ein lebender Organismus und ebenfalls Mensch ist. Daran hängt es! Deiner Definition nach wohl eher nicht. Dann ist deine Argumentation logisch. Nach meiner Definitiob MUSS es Auflagen geben. Ausnahmen sind in bestimmten Situationen vollkommen richtig…wenn Mandy aber die Pille vergessen hat oder Kevin nicht weiß wie das mit dem überziehen ging…danb liebe Hannah wiege ich das Recht des Kindes auf Leben schwerer als die Selbstbestimmung der Frau. Denn schließlich haben die Partner auch frei entschieden Sex zu haben.

Beide Beiträge sind unverändert kopiert, die Tippfehler gehen daher nicht auf mein Konto.
Ich finde es bemerkenswert, wie naiv diese Menschen argumentieren. Ein Kind ist nicht mal eben dazu da Frau und Mann für fehlerhafte Verhütung zu bestrafen! Ein Kind hat man nicht nur für neun Monate, sondern bis ans Ende seiner Tage! Das Recht auf Leben wird hier eher zur Waffe, um jemanden zu bestrafen der einen Fehler bei der Verhütung gemacht hat. Ob das Kind gerne bei Eltern aufwachsen möchte, die gar kein Kind haben wollten, fragt niemand.
Und wenn die Entscheidung für Sex ab sofort auch wieder mit der Entscheidung für ein Kind gleich zu setzen ist, dann kann man die Verhütung ja auch weglassen.

Leben um jeden Preis

Eine Schwangerschaft abzubrechen ist ein schwerer Schritt, und eine Entscheidung die alleiniges und uneingeschränktes Recht der Frau ist. Die Frau trägt alle gesundheitlichen und sozialen Folgen einer Schwangerschaft, genauso wie die eines Abbruches. Allein deshalb schon hat die Öffentlichkeit rein gar kein Mitspracherecht bei dieser Entscheidung.
Die Umsetzung des Rechts zu Leben klingt einfach. Jedes Kind darf auf die Welt kommen, und dann sind hoffentlich alle glücklich. Wenn also, wie im oben genannten Zitat, Mandy ihre Pille vergessen hat und ihr die Abtreibung verwehrt wurde – was passiert dann?
Ein Kind das gegen den Willen der Mutter ausgetragen wurde, hat wenig vom Leben zu erwarten. Selbst wenn die Mutter ihm ein kindgerechtes Aufwachsen ermöglicht, ist es nicht selbstverständlich dass dieses Kind Liebe oder Zuneigung von ihr erfährt. Das ist jedoch eine Grundlage für eine vernünftige Entwicklung!
Und eine Mutter, die gezwungen wurde ein Kind auszutragen dass sie niemals großziehen wollte, wird sicher keine besonders liebevolle und engagierte Mutter sein. Ich wäre es in dieser Situation zumindest nicht.

Die psychischen Folgen können für Mutter und Kind gleichermaßen gravierend sein. Eine natürliche Entwicklung des Kindes ist unwahrscheinlich.
Die Lebensumstände der Mutter, und die Umstände in die das Kind hineingeboren werden, werden in der Diskussion um das Leben überhaupt nicht erwähnt. Als würde es keinen Unterschied machen, ob ein Kind zwischen Mülltonnen oder zwischen Blumenstauden aufwächst!
Die gesundheitliche Verfassung der Frau spielt auch eine große Rolle. Wenn die Frau die Geburt nicht überlebt, hat das ‚Ja für das Leben‘ einen ziemlich hohen Preis verlangt. Auch das Großziehen des Kindes kann die Mutter gesundheitlich überfordern.

Es gibt noch sehr viel mehr Gründe, ein Kind abzutreiben. Es ist nicht von Belang, was die Gesellschaft davon hält. Das Leben der Frau gehört ihr – und niemand kann sie zwingen, einem neuen Leben in sich und in ihrem Leben Raum zu geben.

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